Brigitte Weingart, lic.phil.I


Arbeit - ein Wort mit langer Geschichte

Seit 'Arbeitsplätze' Mangelware geworden sind, ist 'Arbeit' wieder ein (heisses und kontroverses) Diskussionsthema. Während in Zeiten, in denen das Angebot an Erwerbsarbeitsplätzen ausreichend war, vor allem über die Verbesserung von Arbeitsbedingungen, die Qualität von Arbeitsplätzen, den Einfluss der Arbeitsteilung und neuer Technologien auf den arbeitenden Menschen diskutiert wurde, steht heute vermehrt der Begriff 'Arbeit' im Mittelpunkt der Auseinandersetzungen. Wenn eine 'Umverteilung der Arbeit' stattfinden soll, muss zuerst bestimmt werden, was unter 'Arbeit' zu verstehen ist. In diesem Zusammenhang wird gezwungenermassen wieder nachgedacht über Bedeutung und Wert der Arbeit, die Rolle der Arbeit in unserem Leben, und vor allem den Inhalt des Wortes 'Arbeit'. Während langer Zeit meinte, wer von Arbeit sprach, die Erwerbsarbeit. Wollten wir klarstellen, dass von anderen Formen von 'Arbeit' gesprochen wurde, mussten wir ergänzende Definitionen zuhilfe nehmen (z.B. Hausarbeit, Gartenarbeit, Handarbeit, Familienarbeit, etc). Zum Thema erweiterter vs. enger Arbeitsbegriff sind in den letzten Jahren viele Diskussionen geführt und manche Bücher geschrieben worden; die Frage, ob denn wirklich alles 'Arbeit' sei, ist durchaus berechtigt und angebracht.
Solange jedoch mit der Bezeichnung oder eben Nicht-Bezeichnung einer Tätigkeit als 'Arbeit' auch eine - soziale und materielle - Wertung ver-bunden ist, ist eine Definition von 'Arbeit' nicht nur ein semantisches Problem. Deshalb ist es mindestens fragwürdig, wenn erwerbslose Menschen als 'Arbeitslose' bezeichnet werden, obwohl die allerwenigsten von ihnen untätig herumsitzen. Genauso wäre zu überlegen, warum sogar mehrfache Mütter von sich selber sagen "ich arbeite nicht, ich bin nur Hausfrau", weil sie nirgendwo angestellt sind, sprich keiner bezahlten Tätigkeit nachgehen.

In diesem Artikel möchte ich die etymologische Entwicklung des Wortes 'Arbeit', bzw. seiner englischen Äquivalente, im Überblick darstellen
1. Eine detaillierte Darstellung ist in diesem Rahmen nicht möglich, daher werde ich mich auf die Nennung von wenigen Varianten der Wörter in den jeweiligen Entwicklungsstufen beschränken2. Ein erster Teil dieser Abhandlung wird sich mit den deutschen Wörtern 'Arbeit' und 'Werk' befassen; in einem zweiten Teil werde ich die englischen Begriffe 'work', 'labour', und 'travail' zu ihren Ursprüngen hin zurückverfolgen. In beiden Teilen enthalten sind Quervergleiche mit anderen europäischen Sprachen, insbesondere dem Französischen wie auch dem Portugiesischen.



1. Die deutschen Begriffe 'Arbeit' und 'Werk'

1.1. Arbeit, f. […], ein uraltes, viel merkwürdige seiten darbietendes wort
3

Das Wort 'Arbeit' geht nach Aussage von Manfred Riedel
4 auf das germanische arba (= Knecht) zurück. Das ist sicher richtig, lohnt aber auch eine genauere Betrachtung. Neuere etymologische Wörterbücher nehmen als Urwort ein untergegangenes germanisches Verb *arbejo5 an, mit der Bedeutung "bin verwaistes und daher aus Not zu harter Arbeit gezwungenes Kind". Damit stellen sie eine Verbindung her zum indo-europäischen6 *orbh- (= verwaist, Waise), auf das auch die deutschen Wörter Erbe und arm zurückzuführen sind. Ebenfalls aus dieser Wurzel stammt das lateinische orbus (= einer Sache oder Person beraubt), später in der Bedeutung 'verwaist' ersetzt durch orphanus. Eng verwandt sind die altslavischen Begriffe raba (= Knecht, Diener, Sklave) und rabota (= Knechtschaft, Sklaverei). So heisst Arbeit auf polnisch robota, und auch der moderne Roboter stammt aus dieser Wortfamilie.
Aus diesem angenommenen Verb entstand das germanische *ar_ejidiz/ arbejidiz (= Mühsal, Not) und daraus wiederum das althochdeutsche
7 arbeit, arabeit, arebeit (nebst anderen Varianten), das in allen germanischen Dialekten Entsprechungen hat; so auch im altenglischen8 earfo_(e), das aber später durch die Begriffe work und labor ersetzt wurde.
Das althochdeutsche Wort bezeichnet 'Mühsal, Plage, Leid, Erdulden', ist also eindeutig negativ besetzt und bezeichnet vorwiegend etwas passiv Erlittenes. Der Aspekt der Passivität verliert sich im Laufe der weiteren Entwicklung des Wortes, aber Arbeit ist auch im Mittelhochdeutschen noch eine mühselige, unwürdige Tätigkeit, die nur von denjenigen verrichtet wird, die sich abmühen müssen, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Diese Wertung bleibt teilweise bis ins Neuhochdeutsche hinein bestehen; erst gegen Ende des Mittelalters und mit Luther verliert das Wort 'Arbeit' weitgehend seinen herabsetzenden Sinn und erhält eine positive Wertung.


1.2. Das Werk

An English-speaking person works, eine deutschsprachige Person arbeitet. Das altenglische ear_ode wurde in der mittelenglischen Periode durch weorc ersetzt, während im Deutschen sowohl Arbeit/arbeiten als auch Werk/wirken/werken noch gebräuchlich sind, wobei das erstgenannte Wortpaar weitaus häufiger verwendet wird und die Bedeutungen nicht identisch sind.
Ganz offensichtlich sind work und Werk eng miteinander verwandt: beide Formen sind zurückzuführen auf das indo-europäische *uerg- (oder erg-, urg-, worg- und werg-) mit der Bedeutung 'tun, machen, handeln'. Auch das Griechische érgon (= Arbeit, Werk; daraus dann Energie, energy
9) hat sich aus diesem Stamm entwickelt.
Das althochdeutsche werc(h), werah wird zum mittelhochdeutschen werc/werk. Laut Duden ist das Substantiv ursprünglich identisch mit Werg (= Flachs, Hanfabfall; eigentlich "das, was durch Arbeit abfällt"). Ausserdem wird eine Verwandtschaft mit Wurm vermutet. Eine mittelhochdeutsche Wortbildung ist das gewerke (= Handwerks- oder Zunftgenosse; Teilhaber an einem Bergwerk
10), aus dem dann im 16. Jahrhundert die 'Gewerkschaft' entsteht; die heutige Bedeutung 'Zusammenschluss von Arbeitern' erhält das Wort aber erst 1868. Das westgermanische Verb wirken ist wahrscheinlich eine jüngere Ableitung aus dem Substantiv Werk, neben der älteren gemeingermanischen Form wurchen bzw. mittelhochdeutsch würken. Interessant in diesem Zusammenhang ist die Ableitung wirklich, deren heutige Bedeutung erst seit dem 15. Jahrhundert nachgewiesen ist (spätmittelhochdeutsch wirkelich = tätig, wirksam, wirkend).



2. Die englischen Begriffe 'work', 'labor' und 'travail'


Gemäss Webster's Third New International Dictionary unterscheiden sich diese drei Begriffe für 'Arbeit' in folgender Weise: work ist ein sehr allgemeines Wort, in vielen Zusammenhängen verwendbar, während labor oft eine zweckgerichtete, nötige, anstrengende Tätigkeit bezeichnet. In meiner Lektüre zum Thema habe ich jedoch festgestellt, dass diese Unterscheidung nicht immer konsequent durchgehalten wird. Travail ist ein veraltetes Wort, und taucht vor allem in der literarischen Sprache noch auf; im modernen Englisch gebräuchlich ist nur die abgeleitete Form travel. Ich möchte dieses Wort trotzdem in meine Betrachtungen miteinbeziehen, denn seine Verwandten in anderen europäischen Sprachen entsprechen dem deutschen Arbeit/arbeiten am ehesten.


2.1. Work

Die Etymologie des Wortes work habe ich oben bereits aufgezeigt. Während das Altenglische die Begriffe worc, werc, weorc und ear_ode noch nebeneinander verwendete, hat das letztere im Mittelenglischen an Bedeutung verloren. Das Verb to work, vor 1250 in der Form werken, danach worken, entstand aus einer Fusion des altenglischen wyrcan (Vergangenheit worhte, Partizip geworht), einer Entsprechung des althochdeutschen wurchen mit der Bedeutung 'arbeiten, gestalten, erschaffen', und der altenglischen Form wircan (Deutsch: wirken). Das Partizip wrought gilt heute als archaische Form und kommt nur noch in Redewendungen vor, z.B. wrought change (= bewirkte eine Veränderung, brachte eine Veränderung hervor), oder als Adjektiv mit den Bedeutun-gen 'bewirkt; bearbeitet, verarbeitet; gehämmert, geschmiedet, mit der Hand gearbeitet'. In diese Wortgruppe gehört auch der Suffix -wright (= -macher, -bauer, eg. playwright = der Bühnenautor, Dramatiker). Der erschaffende, kreative, 'eine Veränderung auslösende' Aspekt scheint also implizit im work bzw. Werk vorhanden zu sein
11.
Als Ausdrücke für 'Arbeit/arbeiten' neu hinzugekommen sind labor und travail, zwei Lehnwörter aus dem Altfranzösischen, die ich im folgenden näher untersuchen möchte.


2.2. Labor/labour

Labor bezeichnet in der Regel eine schwere Arbeit, die mit Mühe, Anstrengung und Beschwerden
12 verbunden ist; meist handelt es sich hierbei um eine produktive Arbeit. Adam Smith war der erste, der das Wort in seinem modernen Sinn verwendete, nämlich als "Arbeit, die getan wird, um materielle Bedürfnisse zu befriedigen"13. Vor Smith hatte labor dieselbe Bedeutung wie das lateinische labor, aus dem es entstanden ist, also 'Anstrengung, Müdigkeit, Qual, Leiden, Schmerz, mühsame Arbeit'. Das lateinische labor wiederum ist zurückzuführen auf eine angenommene indo-europäische Basis *lab-, oder *leb-14 (= herabhängen, lose sein, schlaff sein). Daraus ergaben sich labi, labor, lapsus sum (= gleiten, abgleiten, straucheln), z.B. lapsus linguae (eigentlich ein 'Ausrutschen' der Zunge, also ein Versprecher) sowie labare (= wanken, schwanken, torkeln)15. Das Substantiv labor hatte also möglicherweise ursprünglich die Bedeutung "eine Last, die einen zum Wanken/Torkeln bringt", daher auch die negative Wertung des Begriffs und die heutige Verwendung zur Bezeichnung einer mühsamen, anstrengenden Arbeit. Das abgeleitete Verb laborare16 beinhaltete sowohl 'arbeiten, sich anstrengen' wie auch 'leiden, in Schwierigkeiten sein, sich in Not befinden', z.B. morbo laborare (= an einer Krankheit leiden). In die englische Sprache gelangte das Wort über das altfranzösische labo(u)rer und das mittelfranzösische labourer (= schwere, mühselige Arbeit verrichten) ins Mittelenglische labouren (dieselbe Bedeutung). Erst ab dem 16. Jahrhundert bezeichnete labo(u)r auch den Geburtsschmerz. Während das englische labor bis heute seine weit gefasste Bedeutung beibehielt, hat das französische labour/labourer eine Bedeutungsverengung erfahren und wird vor allem noch im Zusammenhang mit landwirtschaftlicher Tätigkeit gebraucht (= Pflügen, Bodenbearbeitung, Feldbestellung; so auch le cheval de labour = das Ackerpferd; le laboureur = der Farmarbeiter, Farmer)17. Nun beschreibt das Wort labeur eine mühselige, langwierige Arbeit.


2.3. Travail/travel: eine beschwerliche Tätigkeit

Das Substantiv travail wird in der modernen englischen Alltagssprache selten verwendet, einige Wörterbücher bezeichnen es gar als obsolet. Travail beschreibt physische oder psychische, speziell mühsame, fordernde oder schmerzhafte Arbeit, ebenso Schmerz und Leiden als Resultat einer körperlichen Anstrengung oder eines mentalen Konflikts, z.B. a mind in unproductive travail. Seit dem 13. Jahrhundert hat das Wort auch die Bedeutung '(Geburts)wehen'.
Ganz am Anfang der Entstehung des Wortes stand vermutlich das indo-europäische *trei (= drei-, dreifach), aus dem sich dann das Lateinische tres, tria und das Griechische treis, tria entwickelten. In beiden Sprachen wurde das Wort zur Bildung von Komposita verwendet. So nimmt man an, dass im Latein aus tres, tria + palus
18 (Pfahl, Stecken) das Wort tripalis entstand (= drei Stecken, drei Spitzen besitzend), das sich weiterent-wickelte zu *tripalium und zum spätlateinischen trepalium; zu diesem Zeitpunkt bezeichnete das Wort ein Folterinstrument! Das aus diesem Substantiv entstandene Verb *tripaliare respektive *trepaliare bedeutete zunächst 'der Folter unterziehen', wurde später aber auch reflexiv gebraucht, also in der Bedeutung 'sich selber Leid bereiten, Mühe machen'. Im altfranzösischen travailler, travaillier, traveillier standen die schmerzhaften, Leid verursachenden, schwierigen Aspekte der mit travail bezeichneten Arbeit noch im Vordergrund, während das modern-französische travailler/travail nicht mehr ausschliesslich negativ besetzt ist19. Um 1275 ist erstmals die Form travailen (= schwere, mühselige Arbeit verrichten) im Mittelenglischen nachgewiesen; etwa um 1300 erlangte das Wort die zusätzliche Bedeutung 'reisen', seit 1375 in der heutigen Schreibweise travel. Diese semantische Entwicklung ist vermutlich auf die Beschwerlichkeiten und Mühsal der damaligen Reisen zurückzuführen; ausserdem ging man in der Regel geschäftlich oder zu Studienzwecken travelen, also im Zusammenhang mit Arbeit (und nicht zum Vergnügen). Während im heutigen Englisch fast ausschliesslich noch die Form travel in der Bedeutung 'reisen, auf Reisen gehen' gebraucht wird (im allgemeinen ohne negative Besetzung), hat das französische travailler diesen Wortinhalt nicht entwickelt.



Schlusswort

Im vorliegenden Artikel habe ich versucht, die etymologischen Entwicklungen der gebräuchlichsten deutschen und englischen Ausdrücke für 'Arbeit' kurz aufzuzeigen. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass alle Begriffe, die aus den Stämmen *lab/*leb, tres+palus, und *orbh entstanden sind, über lange Zeit etwas Negatives, Nicht-Wünschenswertes, d.h. 'etwas was einem ohne eigenes Zutun widerfuhr' bezeichneten. Es war (ist?) also immer auch ein Aspekt der Passivität mit diesen Begriffen verbunden. Sie unterscheiden sich jedoch bezüglich Grad der Passivität, die sie ausdrücken: man ist schlapp, müde, gleitet leicht aus, leidet unter der Arbeitslast - man wird gequält - man ist der Eltern beraubt worden.
Ganz anders hingegen die Wortfamilie Werk/work: hier ist bereits im indo-europäischen Stamm die Bedeutung 'aktiv handeln, herstellen, gestalten' mit vorhanden. Tätigkeiten, die durch Begriffe aus dieser Wortfamilie bezeichnet wurden, konnten und können zwar auch anstrengend und mühsam sein; sie ermöglichen aber den Menschen, die sie ausüben, sich in ihrer Wirksamkeit(!) zu erfahren.
Selbstverständlich sind die Bedeutungen und Wertungen, die in den Wörtern für 'Arbeit' jeweils implizit vorhanden sind, stark von den sozialen und kulturellen Verhältnissen der entsprechenden geschichtlichen Epochen abhängig. Das Wort arbeitslos zum Beispiel, um mit einem in der heutigen Zeit vielverwendeten Begriff zu enden, hatte vom 16. bis ins 19. Jahrhundert hauptsächlich die Bedeutung 'ohne Anstrengung, mühe-los'. Den Zustand 'ohne berufliche Arbeit, ohne Erwerbsmöglichkeit' bezeichnete es im 16. Jahrhundert erst vereinzelt, vermehrt dann ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Bei den alten Römern und Griechen gehörten die 'Arbeiter', also diejenigen, die einer Tätigkeit nachgingen, zu den untersten sozialen Schichten. 'Arbeitslosigkeit' war ein prestigeträchtiger Zustand …

Kloten, 18.8.1997/bw


Anmerkungen

1  Für ausführliche Sprachgeschichten und Erklärungen der Wortentwicklungen verweise ich auf Schmidt, Geschichte der deutschen Sprache bzw. Baugh/Cable, A History of the English Language. Zusammenfassungen der Sprachgeschichten sind oft auch in den ausführlicheren Wörterbüchern zu finden.
2
  Für ein gemeingermanisches Wort z.B. sind in der Regel verwandte Wörter in allen germanischen Sprachen zu finden. Ausserdem sind jeweils mehrere Schreibweisen eines Wortes nachgewiesen; diese entstanden z.T. infolge dialektaler Unterschiede, aber auch, weil eine Rechtschreibung (eine "richtige" Schreibung) der Wörter nirgendwo festgelegt war.
3
  Grimm, Deutsches Wörterbuch, 1854.
4
  Artikel 'Arbeit' in: Handbuch philosophischer Grundbegriffe, 1973
5
  ein * bezeichnet eine durch Sprachvergleich erschlossene, d. h. nicht belegte Form
6
  'Indo-europäisch' bzw. 'indogermanisch' (Bezeichnung je nach Autor und vertretener These) wird eine Gruppe ursprünglich zwischen Indien und Westeuropa gesprochener Sprachen genannt; die lexikalischen und grammatischen Gemeinsamkeiten dieser Sprachen lassen auf eine Verwandtschaft schliessen und sind auf eine gemeinsame Grundlage zurückgeführt worden. Aus dieser haben sich die verschiedenen indo-europäischen Sprachfamilien und Einzelsprachen entwickelt. Historische Stufen lebender indo-europäischer Sprachen lassen sich in Gruppen zusammenfassen, z.B. Italisch/Romanisch (- Latein, daraus dann Französisch, Italienisch, Spanisch, etc.) und Germanisch (daraus dann Isländisch, Deutsch, Englisch, Niederländisch usw.). Für eine ausführlichere Erklärung cf. Schmidt.
7
  'Althochdeutsch' bis und mit 11. Jahrhundert; ab 12. Jahrhundert 'Mittelhochdeutsch' (ritterlich-höfische Dichtung), Übergang ins 'Neuhochdeutsche' ab 16. Jahrhundert. Erst Luther verwirklicht ein den Dialekten übergeordnetes, allgemeines Deutsch in seiner Bibelübersetzung (NT 1522, AT 1534); mit diesen Ausgaben beginnt sprachgeschichtlich die neuhochdeutsche Zeit.
8
  'Altenglisch' oder 'angelsächsisch' bis 11. Jahrhundert; 'mittelenglisch' ab 12. Jahrhundert; Entwicklung zu 'frühneuenglisch' zwischen 1400 und 1650. Vgl. dazu Baugh/Cable.
9
  ebenso 'Synergie, Allergie, Liturgie, Chirurgie' usw.
10
  Etymologie-Duden
11
  Vgl. in diesem Zusammenhang clockwork/Uhrwerk, firework/Feuerwerk, earthwork/Erdwerk, a work of art/ein Kunstwerk. Andererseits aber work-horse/Arbeitspferd, work mate/Arbeitskollege, work ethic/Arbeitsethik, work-shy/arbeitsscheu, work-clothes/ Arbeitskleider, work permit/Arbeitsbewilligung.
12
  so z.B. in den Zusammensetzungen labor camp, hard labor, manual labor, bound labor (Sklavenarbeit); auch to be in labor = in den Wehen liegen
13
  in seinem Werk The Wealth of Nations, 1776.
14
  sogenannte Wurzelwörter, oft nur noch als gemeinsamer Urbestandteil einer Wortfamilie greifbar
15
  vgl. dazu labil ('schwankend, leicht aus dem Gleichgewicht kommend'); Lapsus, englisch lapse ('das Gleiten, das Fallen; der Fehltritt, das Versehen'); Lawine
16
  vgl. laborieren ('sich mit der Herstellung von etwas abmühen, an einer Krankheit laborieren'), Laboratorium; laboriös (veraltet für 'arbeitsam, fleissig'); englisch laborious (= schwierig, anstrengend, beschwerlich); portugiesisch laborioso (= arbeitsam, fleissig; mühsam, schwierig); französisch laborieux, -euse (= arbeitsam, z.B. un homme laborieux; aber auch 'lang, schwierig', z.B. recherches laborieuses)
17
  vgl. auch andere romanische Sprachen: Portugiesisch laborar (= arbeiten; pflügen, ackern), lavoura (= Ackerbau, Feldbestellung) und Italienisch lavorare (= arbeiten, bearbeiten; agr. bestellen) sowie lavoro als Substantiv. Weder im Portugiesischen noch im Italienischen ist die Bedeutung des Begriffes so eingeschränkt wie im Französischen.
18
  vgl. die englischen Begriffe pale und pole
19
  ausser wenn es im Sinne von 'tourmenter' verwendet wird, z.B. la fièvre le travaille. Vgl. ausserdem Provençal trebalh, portugiesisch trabalho, spanisch trabajo, italienisch travaglio (= Arbeit; aber auch Qual, Plackerei)und die entsprechenden Verben; interessant insbesondere italienisch travagliare (= quälen, ermüden) und travagliarsi (= sich abplacken) sowie portugiesisch passar (uns) trabalhos (= Schlimmes durchmachen müssen).


Bibliographie

1. Wörterbücher

Bosworth, J. An Anglo-Saxon Dictionary. edited and enlarged by T. Northcote Toller. Oxford: Clarendon Press, 1882.

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Duden, Band 7 "Etymologie". Mannheim: Bibliographisches Institut, 1963.

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Etymologisches Wörterbuch des Deutschen. Berlin: Akademie Verlag, 1993.

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Schade, Oskar. Altdeutsches Wörterbuch. 2. Auflage. Hildesheim 1969.

Trübners Deutsches Wörterbuch. ed. Alfred Göße. Berlin 1939.

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2. Sekundärliteratur

Baugh, Albert/Cable, Thomas. A History of the English Language. 3rd ed. Englewood Cliffs: Prentice Hall, 1978.

Riedel, Manfred. "Arbeit" in: Handbuch Philosophischer Grundbegriffe. ed. Hermann Krings et al. München 1973, 125-141.

Schmidt, Wilhelm. Geschichte der deutschen Sprache. 7.Auflage. Stuttgart 1996.


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