Fünf Texte stehen hier online zur Verfügung:

1. Berufliche Karriere – Lebensqualität – Familie: Problemwahrnehmungen und Handlungsansätze aus Männersicht

2. Männer im Gleichstellungsprozess: Chancen im Feld von Kooperation und Konkurrenz

3. Input: Gendermainstreaming aus Männersicht

     3.0 Den obigen Input als PDF (für den Druck)
     3.1 Zusatzinformationen zum obigen Input
4. Ohne Männer kein Mainstreaming - Kooperation und Konkurrenz im Geschlechterverhältnis
     4.0 Den obigen Input als PDF (für den Druck)

5. Männer als Mitgestalter des Gleichstellungsprozesses? (Langfassung des gleichnamigen Beitrags im Heft Frauenfragen Nov. 2003)

     5.0 Den obigen Input als PDF (für den Druck)

Gender Plattform II, Universität St. Gallen, 7. November 20001

 

Berufliche Karriere – Lebensqualität – Familie:

Problemwahrnehmungen und Handlungsansätze aus Männersicht

 

 

Referat von Enrico Violi und Christof Arn

 

1.        Einleitung und Fragestellung

Enrico Violi

 

«Diese Männer machen nichts» lautet die Überschrift eines Blickartikels, der letztes Jahr veröffentlicht worden ist. Anlass für die Publikation des Artikels war die Volkszählung, in der erstmals nach dem Zeitaufwand für Hausarbeiten gefragt worden ist. Wie die Blickumfrage ergab, leisten vor allem Männer in Führungspositionen keine Hausarbeit. So antwortete etwa Rolf Theiler, Chef des Organisationskommitees des Reitturniers CSI Zürich, auf die Frage «wieviel machen Sie im Haushalt?» null Stunden und fügte hinzu, dass er nicht einmal den Kittel aufhänge, wenn er nach Hause komme. Auch der Unternehmer Hayek gab null Stunden an und begründete dies damit, dass er noch eine richtige Frau habe, die es ihm nicht erlaube, Hausarbeit zu leisten. Die gleiche Begründung für seine Null-Beteiligung im Haushalt gab auch Toni Bortoluzzi an. Ihm verbiete es die Hochachtung vor der Fachkompetenz seiner Frau, Haushaltsarbeiten zu erledigen.

Dass sich Männer zumeist nicht oder nur wenig an der Haus- und Familienarbeit beteiligen, ist eine altbekannte Tatsache. Die vom Blick nach publizistischen Kriterien durchgeführte und veröffentlichte Umfrage bringt also nichts neues zu Tage. Sie entspricht einer Alltagsrealität, in der nicht nur Männer in beruflichen und/oder politischen Kaderpositionen keine Zeit für Haus- und Familienarbeit finden. Auch Männer, deren ausserhäusliche Belastung sich im Rahmen der wöchentlichen Regelarbeitszeit bewegt, erledigen weit weniger Haus- und Familienarbeit als Frauen. Laut Angaben des Bundesamtes für Statistik wenden erwerbstätige Männer im Schnitt etwa 16 Stunden pro Woche dafür auf. Bei den erwerbstätigen Frauen sind es rund 26 Stunden.

Dass erwerbstätige Frauen mehr Haus- und Familienarbeit erledigen als erwerbstätige Männer ist angesichts der höheren Teilzeiterwerbsquote von Frauen naheliegend. Aber auch dann, wenn beide Partner vollerwerbstätig sind, erledigen Frauen mehr Hausarbeit als ihre Männer. Der Anteil an Hausarbeit, der von ihren Partnern übernommen wird, unterscheidet sich dabei kaum von demjenigen, der von Männern in Paarbeziehungen erbracht wird, in denen der Mann Alleinverdiener ist.

Was die wenigen teilzeitarbeitenden Männer betrifft – gegenwärtig sind es etwas mehr als 9 Prozent - so ist ihre Beteiligung an der Hausarbeit im Vergleich zu den vollerwerbstätigen Männern zwar höher. Aber auch in diesem Fall steht ihr Anteil an Hausarbeit nur selten in einem angemessenen Verhältnis zur beruflichen Beanspruchung ihrer Partnerinnen. Festzuhalten ist zudem, dass der Anteil an Hausarbeit sowohl bei voll- wie auch teilerwerbstätigen Männer mit zunehmender Dauer der Beziehung abnimmt.

An der ungleichen Belastung durch die Hausarbeit auch dann nichts, wenn Kinder im gleichen Haushalt leben. Da viele Frauen bei der Geburt von Kindern, ihre Erwerbstätigkeit reduzieren oder aufgeben, sind die meisten Männer der Ansicht, dass ihre Partnerinnen nun genügend Zeit hätten, um sich nebst der Kinder auch um den Haushalt zu kümmern. Daher neigen viele Männer dazu, weniger Hausarbeit zu leisten, als vor der Geburt der Kinder.

Demgegenüber ist festzuhalten, dass sich Väter in den letzten Jahren vermehrt an der Kindererziehung und -betreuung beteiligen. Am meisten Zeit für die Kinderbetreuung wenden Väter auf, deren erstes Kind im Vorschulalter ist. Mit zunehmenden Alter des Kindes lässt das väterliche Engagement allerdings zumeist nach und erhöht sich auch bei der Geburt weiterer Kinder nicht. Zudem konzentrieren sich die väterlichen Aktivitäten zumeist auf das Wochenende und beziehen sich vor allem auf das Spielen und die Hilfe bei Hausaufgaben. Die alltägliche Umsorgung der Kinder bleibt somit vornehmlich Aufgabe der Frauen. Sie tragen auch dann die Hauptverantwortung für die Kinder, wenn beide Elternteile vollerwerbstätig sind.

Die von der Blickumfrage publizierten Ergebnisse lassen sich durch empirische Daten also sehr wohl bestätigen. Die von Theiler, Hayek, Bortoluzzi und Konsorten angegebene Null-Beteiligung an der Hausarbeit trifft zwar nicht für alle Männer, die in Paarbeziehungen leben, gleichermassen zu. Der Tendenz nach gehören Hausarbeit und Kinderbetreuung trotz steigender Erwerbsbeteiligung von Frauen und trotz zunehmender Orientierung am Ideal partnerschaftlicher Arbeitsteilung nach wie vor in den Zuständigkeitsbereich der Frauen. Ihre Doppelbelastung durch berufliche und familiäre Verpflichtungen ist im Vergleich zu derjenigen von Männern ungleich höher. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie stellt somit ein Problem dar, das vor allem von Frauen und weniger von Männern als solches wahrgenommen wird. Die Vereinbarkeitsproblematik wird von Frauen insbesondere dann als belastend erfahren, wenn sie über hohe Bildungsqualifikationen verfügen und ihre beruflichen Ambitionen aufgrund familiärer Verpflichtungen nicht zurückstecken wollen. Besonders eindrücklich kann dies am Beispiel der akademischen Berufslaufbahnen aufgezeigt werden.

Wir werden in unseren Ausführungen deshalb zunächst auf die Problematik der Vereinbarkeit des beruflichen und privaten Lebens in hochqualifizierten Berufstätigkeiten eingehen. Dabei werden wir in einem ersten Schritt die Eigentümlichkeiten der Vereinbarkeitsproblematik in akademischer Berufslaufbahnen darlegen. Anschliessend werden wir uns der Frage zuwenden, inwiefern die Vereinbarkeit des beruflichen und privaten Lebens von Frauen und Männern, die in hochqualifizierten Berufen arbeiten, als Problem wahrgenommen wird. Zum Abschluss geht es dann darum, eine Reihe von Handlungsansätzen vorzustellen, um eine gerechte Verteilung von Erwerbs-, Haus- und Familienarbeit zwischen Frauen und Männern zu erreichen.

Wir verstehen unsere Ausführungen als Diskussionsimput. Dabei vertreten wir die These, dass die Verwirklichung einer gerechten Verteilung von Erwerbs-, Haus- und Familienarbeit zwischen den Geschlechtern eine grundlegende Voraussetzung für die Realisierung der tatsächlichen Gleichstellung von Frauen und Männern darstellt. Solange Frauen den Grossteil der unbezahlten Haus- und Familienarbeit leisten und zugunsten der Familie auf Erwerbsbeteiligung und berufliche Selbstverwirklichung verzichten, sind sie gegenüber den Männern benachteiligt. Um diese Benachteiligung aus dem Weg zu schaffen, müssen sich Männer mehr an der Haus- und Familienarbeit beteiligen. Erst dann, wenn sie nicht nur einen subsidiären, sondern substanziellen Beitrag an der Haus- und Familienarbeit leisten, kann von einer tatsächlichen Gleichstellung die Rede sein.

 

2.        Vereinbarkeitsproblematik in akademischen Berufslaufbahnen

Christof Arn

 

Wir können versuchen, die Vereinbarkeitsproblematik im Rahmen systemischen Denkens zu verstehen. Dann besteht das Problem in einer Inkompatibilität zweier ausdifferenzierter gesellschaftlicher Subsysteme in einer bestimmten Hinsicht: Es ist nicht möglich, gleichzeitig im Subsystem «Familie» die typische funktionale Aufgabe (Hausmann/Vater bzw. Hausfrau/Mutter) zu übernehmen und im Subsystem «Erwerbswelt» die typische funktionale Aufgabe (Berufsfrau bzw. Berufsmann) innezuhaben. Das ist im gesellschaftlichen Gesamtsystem und damit in den Subsystemen nicht vorgesehen.

Dies manifestiert sich also in den bereits genannten Fakten. Wer individuell versucht, seine Funktion in Haushalt und Familie an die Anforderungen der Erwerbswelt anzupassen, stösst rasch an Grenzen; etwa mit den Schulstundenplänen (und den zahlreichen Schulausfällen, kurzfristigen Stundenplanänderungen und Sonderprogrammen), die bewirken, dass eine Hausfrau bzw. ein Hausmann mit schulpflichtigen Kindern im Haus noch schlechter abkömmlich ist als mit jüngeren Kindern; oder mit dem Mangel an familienexterner Kinderbetreuung. Wer versucht, seine Funktion in der Erwerbswelt den Anforderungen in Haushalt und Familie anzupassen, also die Erwerbsarbeitszeit zu reduzieren und zu flexibilisieren, stösst oft auf Unverständnis bei den Vorgesetzten und noch immer gefährdet Teilzeiterwerbsarbeit nicht selten die beruflichen Entwicklungschancen (während Teilzeitarbeit als Verkäuferin oder Krankenschwester weniger Verluste bedeutet).

Beck-Gernsheim[1] charakterisiert die Mehrzahl der Berufe mit Aufstiegschancen als «Eineinhalbpersonen-Berufe». Damit wird bezeichnet, dass die Anforderung solcher Anstellungen nicht nur eine Person voll fordert, sondern auch davon ausgeht, dass eine weitere Person im Hintergrund sich um physische und psychische Regeneration und Gesundheit bemüht und «den Rücken freihält». Genauso ist Mutterschaft bzw. Vaterschaft als 150%-Job zu charakterisieren, insbesondere ab zwei Kindern, oft aber auch bei einem Kind. In der Phase mit Kleinkindern werden bis zu 80 Stunden Arbeitsaufwand pro Woche gemessen. Alice Schwarzer wusste das schon bevor die genauen Zeitbudgetstudien in Deutschland und Österreich das bestätigten. Die Inkompatibilität ist damit evident bereits auf der Belastungsebene.

Am Rand sei eine Notiz in Hinsicht auf das Stichwort «Lebensqualität» im Titel dieser Veranstaltung angebracht. Zunehmend wird etwas familienexterne Kinderbetreuung auch von nicht-erwerbstätigen Müttern genutzt. Auch Teilzeiterwerbsarbeit wird von Personen geleistet, welche selber keine Kinder aufziehen. Dies zeigt, dass die hohe Belastung der Erwerbs- wie der Familienwelt an ihre Funktionsträgerinnen und Funktionsträger auch je einzelne als Lebensqualitätsbeeinträchtigung empfunden wird. Zu Recht, sind Menschen zunehmend nicht mehr bereit, alle Freizeit, alle Freundschaftsbeziehungen, die Gelegenheit zu unbezahltem Engagement (Freiwilligenarbeit, politisches Engagement, Umweltschutz etc.) stark abzubauen oder aufzugeben. Nach der Untersuchung von Lalive d'Epinay[2] behält die Erwerbswelt auch in der jüngeren Generation einen zentralen Platz – aber jetzt neben anderen, ebenfalls zentralen Lebensgewichten. Veränderungsbedarf am Totalanspruch der beiden Subsysteme Familie und Erwerbswelt besteht also auch ganz abgesehen von der Vereinbarkeitsproblematik.

Damit zurück zur Vereinbarkeitsproblematik. Diese besteht nicht nur auf der Belastungsebene, sondern auch auf der Ebene der Systemlogiken dieser beiden Subsysteme. Während die Systemlogik des Subsystems Erwerbswelt wesentlich von Durchsetzung und Konkurrenz («sich selber gut verkaufen», das ist die ökonomisch erzwungene Geburt der Individualisierung) ausgeht, sind diese Vorgehensweisen im Subsystem Familie – so gut wie völlig – ungeeignet für die Erfüllung der Funktion als Hausmann/Vater bzw. Hausfrau/Mutter.

Die Systemlogik der Familie geht aus von Empathie und personaler Ausrichtung der Arbeit. Es hat die Grundstruktur des «Da-sein-für» andere. Diese Vorgehensweise wäre wiederum in der Erwerbswelt sehr erfolglos. Personen, welchen es also trotz hoher Belastung gelingen würde, in beiden Subsystemen Funktionen zu übernehmen, müssten ausserdem fähig sein, zwischen diesen beiden Systemlogiken zu switchen und in einer Person beide Arbeits- und Lebenstechniken zu perfektionieren.

Neben den genannten Manifestationen der Inkompatibilität ist Mobilitätszwang[3] der Erwerbswelt zu nennen und die Wirksamkeit rollenstereotyper Erwartungen. Damit sind einige zentrale Ausdrucksformen und Wirksamkeiten der Unvereinbarkeit genannt. Es bestehen weitere wie z.B. Mängel im Steuersystem und im Sozialversicherungssystem[4].

Die Unvereinbarkeit in diesem Sinn der Inkompatibilität zweier gesellschaftlicher Subsysteme gilt prinzipiell, d.h. für Männer und Frauen. Sie wird aber von Männern und Frauen unterschiedlich wahrgenommen und gemanagt und wirkt sich auf Männer und Frauen unterschiedlich aus. Darauf werden wir als nächstes eingehen.

Zuvor die Frage «cui bono?», wie sie schon Cicero stellte: Wer profitiert? Ist die Unvereinbarkeit eine zufällige Nebenwirkung in unserem gesellschaftlichen System oder gibt es Profiteurinnen und Profiteure, die diese Unvereinbarkeit aktiv aufrecht zu erhalten versuchen? Einiges spricht dafür, dass mit dieser Inkompatibilität Privilegien gesichert und Geschlechterrollen zementiert werden. Ob und wenn ja welche Interessen hinter der systematischen Unvereinbarkeit stehen, lässt sich daran ablesen, welche Personengruppen versuchen, Massnahmen zur Verbesserung der Vereinbarkeit zu verhindern oder zu verzögern.

Hingewiesen sei an dieser Stelle auf die Konjunkturabhängigkeit von Vereinbarkeitsmass­nahmen. Solange eine wirtschaftliche Struktur jederzeit die Inkompatibilität wiederherstellen kann, auch wenn sie zunächst gewisse Vereinbarkeitsmassnahmen realisiert hat, verfügt sie über eine «Manövriermasse». Das ist natürlich sehr praktisch.

Es ist aber nicht sicher, dass diese allfällige Rechnung privilegierter Schichten bzw. eines privilegierten Geschlechtes aufgeht. Einiges spricht dafür, dass diese Versuch der Privilegiensicherung rechts überholt wird von der «Modernisierung der Familie»[5]. Während man noch vor wenigen Jahrzehnten glaubte, die Familie sei per se ein Fels in der Brandung von Modernisierung und Individualisierung, scheinen verschiedene statistische Entwicklungen und Familienbefragungen deutlich genug zu zeigen, dass dem nicht mehr so ist: Auch in die Familienstrukturen halten die Megatrends der Moderne Einzug. Dies dürfte der Vereinbarkeitsthematik sehr bald ein ganz neues Gesicht geben. Nur ein Hinweis dazu: Zur Modernisierung gehört die rationale Planung der Familie. Aus ökonomischer Sicht – und aus einer ganzen Anzahl weiterer Gründe – ist es unter den Bedingungen der Unvereinbarkeit irrational, Kinder zu haben. Für ein Paar sind Kinder verzichtbar, sind heute eine Option unter vielen. Für eine Gesellschaft, auch und gerade für eine Wirtschaft, sind Kinder aber unverzichtbar. Hier beginnen sich, Machtverhältnisse zwischen potenziellen Familien auf der einen Seite und Staat und Wirtschaft auf der anderen Seite umzukehren.

Alle diese generellen Momente des Vereinbarkeitsproblem treffen auf den Spezialfall der akademische Karriere zu. Hier gibt es darüber hinaus einige spezifische Charakteristika der Problemstellung. Akademische Berufe sind nach wie vor typische «Eineinhalb-Personen-Berufe» (s.o.) und die Langfristigkeit der Karrieren bietet wenig Aussicht auf eine baldige Verminderung der Belastung. Vorteile in Vereinbarkeitssachen gibt es im akademischen Bereich allerdings auch:

a)  Während das durchschnittlich niedrigere Einkommensniveau der Frau partnerschaftliche Arbeitsteilung in Zwei-Eltern-Familien oft torpediert – die Familie verdient besser, wenn der Mann 100% erwerbstätig ist, als wenn Frau und Mann je 50% erwerbstätig sind – fällt das bei Akademikerinnen weniger ins Gewicht.

b) Akademikerinnen bringen eine starke, eigenständige Karriereorientierung mit, welche beispielsweise bei angehenden Ärztinnen bei Studienbeginn nachweislich sogar höher ist als bei den männlichen Kollegen – was sich bis zum Ende des Studiums allerdings umkehrt.[6]

c)  Individuelle Zeiteinteilung und teilweises Arbeiten am Arbeitsplatz zuhause machen die Kombinationen flexibler und die höheren Löhne geben mehr Spielräume bei der Finanzierung familienexterner Kinderbetreuung, bei der Anstellung einer Haushälterin oder eines Haushälters sowie von Putz- und Wäschepersonal.

Die lange Ausbildungszeit akademischer Berufslaufbahnen verzögert generell die Familiengründung. Am Rande anzumerken ist, dass Studiengänge, deren Bildungsqualität noch nicht der Verschulung der Universitäten geopfert worden sind, unter günstigen Umständen eine Elternschaft bereits während dem Studium erlauben. Dann muss der berufliche Aufbau nicht parallel zur arbeitsintensivsten Kleinkinderphase geschehen.

Das höhere Sozialprestige akademischer Berufe bringt eine grössere Wahrscheinlichkeit mit sich, Gewichtungen auf die Seite der Karriere zu verschieben. Mutterschaft ist für Frauen in Berufen mit niedrigem Sozialprestige attraktiver, da die Stellung von Mütter-Hausfrauen in der gesellschaftlichen Hierarchie zwischen sehr schlecht bezahlten Frauenberufen mit kurzer Ausbildung bzw. ohne Ausbildung und besser bezahlten Berufen zu liegen scheint.

 

3.        Problemaufriss &lauqo;individuelle Dimension» – Frau

Christof Arn

 

Nach diesen Überlegungen zur Vereinbarkeitsproblematik in einer systemischen, also intendiert-objektiven Sichtweise möchten wir die individuellen Bedeutungen herausarbeiten, welche diese Inkompatibilität einerseits spezifisch auf Frauen und andererseits spezifisch auf Männer hat.

Die primäre, subjektive Bedeutung für Frauen liegt im «Entweder-Oder» von Kind oder Karriere. Frau ist gedrängt, auf das eine zu verzichten – oder sich die Superfrau-Zielsetzung zu eigen zu machen, mit gänzlichem Verzicht auf Freizeit und sonstige selbstbezogene Räume während der gesamten Phase der Elternschaft – und dazu mit unsicheren Aussichten auf Erfolg in Beruf wie in der Familie. Sichtbar wird dieses Dilemma im Geburtenrückgang. Eine höhere Geburtenziffer finden wir in Ländern mit besseren Vereinbarkeitsbedingungen. Erzkonservative, z.B. fundamentalistisch-katholische Kreise, auch Leute aus der SVP, scheinen zu meinen, die Geburtenrate liesse sich erhöhen, indem die Frauen weniger in den Erwerbsbereich hineingelassen würden. Da nun aber die Modernisierung im Kern eine Ausbreitung der Marktwirtschaft, des individuellen Leistung-Gegenleistung-Prinzips in zunehmend alle Lebensbereiche darstellt, wird für den Moment irreversibel Mutterschaft (und Vaterschaft!) gegenüber beruflicher Weiterentwicklung abgewertet. In diesem Rahmen ist eine Zurückdrängung der Frau in die Familie gleichzusetzen mit der Diskriminierung ihres sozialen Status' und ihrer Lebensmöglichkeiten, was kaum einen höheren Kinderwunsch auslösen wird. Hingegen hat eine entsprechende Untersuchung[7] deutlich gemacht, dass der Kinderwunsch der Frau bei stärkerer Beteiligung des Mannes zunimmt. D.h. definitiv: Frauen wünschen Kinder, wenn sich der berufliche Schaden begrenzen lässt.

Dabei ist leider die Beteiligung des Mannes an der Haus- und Familienarbeit, welche an sich wichtig wäre, ja mit Blick auf die gesellschaftliche Dynamik eine Schlüsselposition innehaben dürfte, ein starker Unsicherheitsfaktor. Aus der Absicht, mit dem Mann die Haus- und Familienarbeit zu teilen, wird in vielen Fällen nie eine Realität.

Familienexterne Kinderbetreuung und Teilzeitstellen sind zwar Verbesserungen der Möglichkeiten, aber oft ungenügend. Familienexterne Kinderbetreuung deckt oft wesentliche Funktionen insbesondere des emotionalen Rückhalts, intensiver menschlicher Nähe und Unterstützung der Problembewältigung für das Kind nicht ab. Daher müssen Mütter (gegebenenfalls auch Väter) diese Funktionen in der kurzen Zeit nach dem Abholen der Kinder von der familienexternen Kinderbetreuung leisten. Die Belastung der Verantwortung und der zentralen Funktionen für das Kind bzw. die Kinder verbleiben bei der Mutter und stellen einen wesentlichen Nachteil in der Konkurrenz mit anderen im beruflichen Feld dar. Teilzeiterwerbsarbeit wird wie gesagt fälschlicherweise immer noch nicht ganz selten als mangelhaftes Engagement in der Sache interpretiert und erweist sich aufgrund dieser Fehleinschätzung unter Umständen als Karrierenachteil.

Es bleibt also oft subjektiv für die Frau bei der dilemmatischen Alternative zwischen Karriere und Kind. An dieser Stelle sei angemerkt, dass Frauen hier eine Alternative haben, die Männern so kaum offensteht. Der Beruf des Hausmannes ist gegenwärtig noch eine Pionierarbeit und daher für den Grossteil der Männer keine wählbare Alternative. Der Mann hat also keine Wahl zwischen Beruf und Familie. Im Unterschied zur Frau kann er zwar Karriere und Nachkommenschaft kombinieren. Eine Funktion in der Familie – statt der Ernährerfunktion für die Familie – steht aber nur sehr wenigen Männern reell offen.

Zu dieser schon sachlich dilemmatischen Alternative der Frau gesellen sich die gesellschaftlichen moralischen Erwartungen, die ebenso stark sind wie in sich paradox. Eine Berufsfrau sieht sich konfrontiert mit dem subtilen moralischen Vorwurf, ihrer Bestimmung als Frau nicht nachzukommen und/oder ihren Mann zu vernachlässigen, die Hausfrau-Mutter darf sich damit auseinandersetzen, als intellektuell wenig entwickelt zu gelten und in der sozialen Hierarchie weit unten zu stehen. Frau kann machen, wie sie will – aber es ist auch immer falsch. Frauen haben generell mehr Rollenmöglichkeiten als Männer, aber in allen Rollen weniger Akzeptanz, sie müssen sich in allen Funktionen verteidigen und leben oft mit einem notorisch schlechten Gewissen zwischen Beruf, Kindern und Mann, nicht zuletzt deshalb, weil Frauen – sei es wegen dieser deffensiven Position oder aus anderen Gründen –, dazu neigen ­ hohe Ansprüche an sich zu stellen.

Die unschöne Alternative wirkt sich auch in der Spaltung des Feminismus in eine gynozentrische und eine integrative Richtung aus, entsprechend den negativen Etikettierungen als «Karriere­frauen» einerseits und «Mamis» andererseits. Daher scheinen Mütterlichkeitsbedürfnisse nicht selten ein Tabu-Thema zu sein unter Berusfrauen.

Aus der Perspektive der Frau ist Vereinbarkeit also ein massives Problem, allerdings auch eines, das es sich lohnt, wo irgend möglich, zu knacken, sich also in die Zwangsalternative nicht einzufügen. Augsburger Dölle[8] hat eine genaue Befragung von Ärztinnen und Ärzten unternommen und dort festgestellt: «Ärzte und Ärztinnen, die rollenpluralistisch leben, sind in jeder Hinsicht – mit Ausnahme natürlich über ihren Karrierestand – zufriedener als Ärztinnen, die bisher berufsprioritär gelebt haben». Vereinbarkeit politisch und individuell erstreiten lohnt sich also für Frauen und für Männer, auf deren Perspektive jetzt Enrico Violi eingehen wird.

 

4.        Problemaufriss «individuelle Dimension» – Mann / Wahrnehmung der Vereinbarkeitsproblematik seitens der Männer

Enrico Violi

 

Während die Auseinandersetzung mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie im Leben von Frauen einen zentralen Stellenwert einnimmt, wird diese von Männern kaum als Problem wahrgenommen. Zwar stellen Partnerschaftsgestaltung, Familiengründung und Elternschaft Themen dar, mit denen sich auch Männer konfrontiert sehen. Allerdings gehen sie zumeist auf selbstverständliche Weise davon aus, dass das Privatleben ihren beruflichen Tätigkeiten und Ambitionen nachgeordnet ist und dass ihre Partnerin die Hauptverantwortung für Haushalt und Kinderbetreuung zu tragen hat.

Zum Problem wird den Männern die einseitige Orientierung am Beruf in vielen Fällen erst dann, wenn sie zu Spannungen innerhalb der Partnerschaft, zu persönlichen Sinnkrisen oder zu gesundheitlichen Problemen führt. So zeigt etwa die Forschungsliteratur über Männer in Scheidungssituationen auf, dass viele von ihnen vor der Scheidung den Anspruch ihrer Partnerinnen nach mehr Zeit für die Pflege der Paarbeziehung und des Familienlebens zumeist nicht ernst nehmen bzw. mit dem Hinweis auf berufliche Belastung, Karriereabsichten, Verantwortung für das Familieneinkommen und dergleichen Gründe als unrealisierbar abtun. Wenn es dann zur Scheidung kommt, sehen sie sich mit Schuldgefühlen konfrontiert, geraten in Depressionen und können es vielfach einfach nicht wahrhaben, dass sich ihre Partnerinnen von ihnen distanziert haben. Diese Distanzierung hat sich zwar schon viel früher angebahnt, ist jedoch von den Männern teils aus Abwesenheitsgründen teils aus Unfähigkeit, sich mit partnerschaftlichen Konflikten produktiv auseinanderzusetzen zu können, übersehen oder verdrängt worden.

Ein anderes Ereignis, an dem Männern die Problematik einer einseitigen Orientierung an Erwerbstätigkeit und beruflichem Erfolg auf schmerzhafte Weise vor Augen geführt wird, ist die Arbeitslosigkeit. Der Umstand, arbeitslos zu sein, wird von vielen Männern als eine Krise erlebt, die umso schwerer wiegt, je mehr der eigene Lebensinhalt an die Berufsausübung gebunden ist und je weniger Aktivitäten und Kontakte im privaten Bereich als wichtiger Teil der individuellen Lebensgestaltung wahrgenommen werden. In diesem Sinn zeigen denn auch entsprechende Forschungsbefunde auf, dass eine positive Bewältigung des Arbeitslosenstatus massgeblich von der Intensität und Qualität sozialer Ressourcen im privaten Leben abhängig ist.

Die soeben genannten Problempunkte verweisen auf defizitäre Aspekte traditioneller Männlichkeit – einer Männlichkeit, zu deren Selbstverständnis die traditionelle Rolle als Familienversorger gehört und für die der Beruf ein zentrales Bestimmungsmerkmal männlicher Identität darstellt. Nun ist in den letzten Jahren vermehrt festzustellen, dass es eine zunehmende Anzahl an Männern gibt, die dieser Konzeption von Männlichkeit kritisch gegenübersteht und eine andere, ausgewogene Balance zwischen beruflichem und privatem Leben sucht. Dies gilt insbesondere für Männer, die sich aktiver um ihre Kinder kümmern möchten und bereit sind, hierfür eine Teilzeitarbeit anzunehmen.

Wie aus den Erfahrungsberichten vieler Männer hervorgeht, die Teilzeit arbeiten möchten, wird die Verwirklichung dieses Ansinnens nicht nur durch die Arbeitserfordernisse oder den organisatorischen Mehraufwand am Arbeitsplatz behindert. Für viele Vorgesetzte ist es nur schwer nachvollziehbar, dass Männer aus familiären oder anderen Motiven heraus, sich für eine Teilzeitarbeit entscheiden, während dies bei Frauen durchaus als normal erscheint. Männer, die den Wunsch nach Teilzeitarbeit vorbringen, sehen sich daher oft mit dem Vorurteil konfrontiert, dass sie nicht bereit seien, einen vollen Arbeitseinsatz zu leisten und für die berufliche Weiterentwicklung gewisse Opfer in Kauf zu nehmen. Der Entscheid, Teilzeit zu arbeiten, wird zudem dadurch erschwert, dass sie oft mit einer Schlechterstellung bezüglich der beruflichen Qualifizierungs- und Aufstiegsmöglichkeiten einhergeht und somit zu einer Schmälerung der Einkommens- und Arbeitsmarktchancen führt – eine Erfahrung, die vielen teilzeitarbeitenden Frauen bestens bekannt ist.

Wie anhand dieser Problempunkte beispielhaft dargelegt werden kann, erweist sich die Vereinbarkeit des beruflichen und privaten Leben also nicht nur für Frauen, sondern auch für Männer als ein Problem. Zwar wird dies von den meisten Männern nicht als solches wahrgenommen. Es gibt jedoch immer mehr Männer, die sich um eine ausgeglichen Aufteilung der Erwerbs-, Haus- und Familienarbeit bemühen. Wegen objektiven Sachzwängen und gesellschaftlichen Vorurteilen scheitert die Realisierung dieses Vorhabens allerdings noch oftmals.

Was kann getan werden, damit sich diese Situation ändert? Oder anders gefragt: Was ist zu tun, damit sich Männer mehr an der Haus- und Familienarbeit beteiligen und auf diesem Weg eine gerechte Verteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit zwischen den Geschlechtern erreicht werden kann? Aus der Sicht unseres Arbeitskreises möchten wir die folgenden Handlungsansätze zur Diskussion stellen:

 

5.        Handlungsansätze

Enrico Violi und Christof Arn

Wir gelangen nun zum dritten Teil unseres Referats - zur Frage also, was getan werden kann, um eine gerechte Verteilung der Erwerbs-, Haus- und Familienarbeit zwischen Frauen und Männern zu erreichen? Oder mit anderen Worten: Was ist zu tun, damit sich Männer mehr an der Haus- und Familienarbeit beteiligen?

Wie aus den bisherigen Ausführungen deutlich geworden sein dürfte, sind Massnahmen zur Umverteilung bezahlter und unbezahlter Arbeit zwischen den Geschlechtern sowohl auf der individuellen als auch auf der strukturellen Ebene zu treffen. Aus der Sicht des Arbeitskreises für Männer- und Geschlechter sind insbesondere die folgenden Handlungsansätze von Relevanz:

 

Individuelle Handlungsansätze

a) Mann:

Enrico Violi

 

Zu Punkt 1: Auseinandersetzung mit dem eigenen Mannsein:

Eine grundlegende Voraussetzung für eine gerechte Verteilung der Erwerbs-, Haus- und Familienarbeit zwischen den Geschlechtern ist, dass Männer sich von den tradierten Bestimmungen des Mannseins emanzipieren und zu einer neuen Lebenskonzeption gelangen. Solange Beruf und Erwerbstätigkeit als zentrale oder gar ausschliessliche Bestimmungsmomente männlicher Identität und Lebensgestaltung fungieren, wird sich die Beteiligung der Männer an der Haus- und Familienarbeit notgedrungen in Grenzen halten.

Daher ist es notwendig, dass sich Männer verstärkt mit ihrer Lebenssituation und ihrem Selbstverständnis als Mann auseinandersetzen. Hierbei stellt sich insbesondere die Frage, inwiefern die eigene Lebensqualität durch die einseitige Orientierung an der Erwerbsarbeit beeinträchtigt wird und welchen Gewinn eine ausgewogenere Balance zwischen beruflichem und privatem Leben abzuwerfen vermag. Vor allem für Männer, die sich aktiver an der Betreuung und Erziehung ihrer Kinder beteiligen wollen, dürfte diese Frage von vorrangiger Bedeutung sein.

 

Zu Punkt 2: Motivation zur Beteiligung an der Haus- und Familienarbeit fördern

Die Motivation zur Beteiligung an der Haus- und Familienarbeit wird im Rahmen der gängigen Sozialisationsmuster bei den Männern kaum gefördert. So ist es nicht verwunderlich, dass Männer im Laufe des Heranwachsens weniger Kompetenzen im Bereich der Haus- und Familienarbeit entwickeln. Das Gefühl der Inkompetenz in häuslichen und familiären Belangen und die als selbstverständlich erscheinende Übernahme von Versorgungsfunktionen durch Frauen stellt eine motivationale Barriere dar, die nicht wenige Männer daran hindert, sich mehr an der Haus- und Familienarbeit zu beteiligen.

Um diese Barriere zu überwinden und das Interesse an der Haus- und Familienarbeit zu erhöhen, ist eine gezielte Männerförderung notwendig. Ziel dieser Männerförderung sollte sein, die Männer dazu zu befähigen, für sich selbst zu sorgen, aber auch die Versorgung anderer übernehmen zu können.

 

Zu Punkt 3: Beratung beanspruchen

Nicht nur Frauen, auch Männer, die einem egalitären Partnerschaftsverständnis nachleben wollen, sehen sich zusehends vor das Problem der schwierigen Vereinbarkeit von Beruf und Familie gestellt. Dies gilt insbesondere für Männer, die eine aktive Vaterschaft anstreben. Um die Chancen der Realisierung einer egalitären Paarbeziehung zu erhöhen und nicht in die Falle des &laqou;Es-wird-dann-schon-irgendwie-Gehen» zu tappen, empfiehlt es sich, eine entsprechende Beratung in Anspruch zu nehmen.

 

Zu Punkt 4: Vernetzung unter Männern

Um die Chancen einer besseren Ausbalancierung des beruflichen und privaten Lebens zu erhöhen, ist eine Vernetzung mit anderen Männern von Vorteil. Diese eröffnet nicht nur die Möglichkeit, über den Austausch von Erfahrungen und Informationen zu neuen Einsichten und Handlungsoptionen zu gelangen. Sie bietet auch die Möglichkeit, gemeinsam an die Öffentlichkeit zu treten und damit den eigenen Anliegen mehr Gehör zu verschaffen.

 

 

b) Frau:

Christof Arn

 

a) Stufenweise bestimmte Versorgungsfunktionen nicht mehr übernehmen:

Es lohnt sich, die eigene Tendenz genauer anzuschauen, in der Haus- und Familienarbeit zu «überfunktionieren», wie Lerner[9] das nennt. Anschliessend gilt es, strategisch zu überlegen, wo es nicht auf frau selber zurückfällt, wenn sie von sich aus bestimmte Arbeiten nicht mehr übernimmt (allenfalls nach entsprechender Information und dem Angebot, zu zeigen, wie mann Hemden selber bügelt).

b) Konter-Macht-Strukturen reflektieren:

Die bekannte systemische Familientherapeutin Welter-Enderlin bringt die Machtverhältnisse folgendermassen auf den Punkt[10]:

Offizielles Patriarchat, heimliches Matriarchat. Der Mann wird emotional von der Frau versorgt, die Frau wird materiell versorgt vom Mann.

Oder, wie schon Oubaid und Meier[11], die ohne jede Übertreibung als kompromisslose Femini­stin­nen bezeichnet werden können, sagten:

Die «Versorgungsmacht» der Frauen ist der Ernährerrolle kompelementär.

Was könnten sinnvolle Strategien sein, Männer zu ermächtigen, für die eigene emotionale Versorgung und später darüber hinaus auch für die emotionale Versorgung der übrigen Familienmitglieder Verantwortung zu übernehmen und in diesem Feld praktisch zu handeln?

 

c) Dienstleistungen für die Haus- und Familienarbeit beanspruchen

Putzfrau oder Putzmann gehört in der Kleinkinderphase, aber zumeist auch darüber hinaus, zur Grundausrüstung einer Familie – wann immer sich das finanziell einrichten lässt. Die Putzrau bzw. der Putzmann kann übrigens auch bügeln. Aber auch die Anstellung einer Haushälterin kann eine ausgezeichnete Lösung sein, wie der Zeitungsartikel zeigt, von dem ich Ihnen eine Kopie mitgebracht habe.

 

d) Frauennetzwerke nutzen

Buisness and Professional Women ist ein Club, der 1930 von einer Amerikanerin in Genf gegründet wurde und heute weltweit verbreitet ist. Hier könnte es sich lohnen, Konktakt aufzunehmen. In kurzer Zeit lässt sich auch im Internet vieles finden. Hier gilt: Gemeinsam ist eindeutig besser und lustiger als einsam.

 

 

c) Paar:

Wird Emanzipation als geschlechterinteraktiver Prozess begriffen – und dafür sprechen entsprechende Ansätze der Biographieforschung[12], gibt es nicht nur eine idividuelle Handlungsebene je für Frau und Mann, sondern auch eine individuelle Handlungsebene als Paar. Dazu gehört z.B.:

- Dialogkultur auf der Metaebene betrachten: Beobachten Sie selber die Dialogkultur bei Gesprächen, die Ihnen wichtig sind und eröffnen Sie in kleinen Schritten eine Kultur, sich gemeinsam auch über die Dialogkultur zu unterhalten.

- Versuchsweise punktuell Funktionen austauschen und das Ergebnis reflektieren: Vereinbaren Sie bewusst kleine Rollentausche in «Kernbereichen» und besprechen Sie die Resultate. Pointe ist die Horizonterweiterung und die Identitätsentwicklung.

 

 

Strukturelle Handlungsansätze

a) Bildungswesen:

Enrico Violi

 

Zu Punkt 1: Realisierung einer geschlechterbewussten Pädagogik

Wie die Schulforschung aufzeigt, trägt der herkömmliche Schulunterricht dazu bei, dass stereotype Bilder von Weiblichkeit und Männlichkeit und die bestehenden Geschlechterverhältnisse zementiert werden. Deshalb ist es notwendig, Lehrpersonen und andere Bildungsverantwortliche für die Prozesse der Geschlechtstypisierung zu sensibilisieren und aufzuzeigen, wie eine geschlechterbewusste Pädagogik in der Schule umgesetzt werden kann.

Ziel ist die Etablierung einer schulischen Bildungspraxis, die eine offene Persönlichkeitsentwicklung und Lebensgestaltung fördert. Hierfür ist den Heranwachsenden ein Handlungsraum zu eröffnen, der sie dazu anregt, die eigenen Bilder von Männlichkeit und Weiblichkeit kritisch zu hinterfragen und Erfahrungen zu machen, die von den tradierten Vorgaben des Mann- und Frauseins abweichen.

 

Zu Punkt 2: Reform des Hauswirtschaftsunterrichts

Unter das Stichwort «Bildungswesen» fällt auch die Reform des Hauswirtschaftsunterrichts. In diesem Fach sind vermehrt Fragen der Lebensgestaltung und Berufsfindung zu thematisieren. Zudem ist eine verstärkte Zusammenarbeit mit Lehrpersonen, die Berufskunde unterrichten, zu etablieren. Zu überlegen ist überdies, mit welchen Massnahmen das Interesse der Buben am Hauswirtschaftsunterricht und an Fragen der Vereinbarkeit von Beruf und Familie gesteigert werden kann.

 

Zu Punkt 3: Weiterbildungsangebote für (Teilzeit-)Hausmänner

Eine flankierende Massnahme zur Förderung der Haus- und Familienarbeit bei den Männer stellt die Bereitstellung entsprechende Weiterbildungsangebote dar. Themen dieser Weiterbildung sind beispielsweise: Paarbeziehung, Rollenteilung, Kinderbetreuung und -erziehung, Haushaltsorganisation und -fertigkeiten, Laufbahngestaltung und nicht zuletzt die Frage nach der männlichen Identität

 

b) Erwerbsarbeit

Enrico Violi

 

Zu Punkt 4: Familienfreundliche Gestaltung der Erwerbstätigkeit

Wie neuerdings auch der Schweizerische Arbeitgeberverband fordert, sind in der Arbeitswelt strukturelle Rahmenbedingungen zu schaffen, die der familienfreundlichen Gestaltung der Erwerbstätigkeit entgegenkommen. Darunter fallen etwa: ein erweitertes Angebot an Teilzeitstellen, Job-Sharing, neue Arbeitszeitmodelle, Konzepte des Work-Life-Balance, Heimarbeit, Elternschaftsurlaub und die Bereitstellung von betriebseigenen Kinderbetreuungsplätzen. Von besonderer Bedeutung ist, dass auch auf Kaderstufe vermehrt Teilzeitstellen geschaffen werden.

Teilzeitstudium (statt Studienzeitbeschränkungen!), eine Forderung, die z.B. von der Vereinigung der Assistierenden der ETH Zürich formuliert wird

 

Zu Punkt 5: Anerkennung ausserberuflicher Qualifikationen

Von besonderer Bedeutung für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist auch die Anerkennung ausserberuflicher Qualifikationen bei Anstellungen und Beförderungen. Die Entwicklung des Schweizerischen Qualifikationshandbuches, in dem diese Qualifikationen mitberücksichtigt werden, stellt einen ersten Schritt in diese Richtung dar.

 

c) Haus- und Familienarbeit:

Zu Punkt 6: Ausbau familienergänzender Kinderbetreuung

Dass ein flächendeckender Ausbau an familienergänzenden Kinderbetreuung in Form von Krippenplätzen, Tagesmütter, Mittagstischen und dergleichen zur Verbesserung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie eine unabdingbare Notwendigkeit darstellt, dürfte ausser Frage stehen. Der Bedarf an diesen Betreuungsmöglichkeiten ist mittlerweile ja zur genüge ausgewiesen.

 

Zu Punkt 7: Ausbau des Dienstleistungsangebots für Haus- und Familienarbeit

Zur Verbesserung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist – als Ergänzung zur selbst geleisteten Haus- und Familienarbeit – auch ein Ausbau des externen Dienstleistungsangebots für Haus- und Familienarbeit notwendig.

 

 

d) Politik/Kultur:

Christof Arn

 

Leider sind Politik und Kultur zwar abnehmend, aber immer noch zu sehr von Rollenstereotypen und den Mythen der vollen Verfügbarkeit sowohl der Mutter und Hausfrau als auch des allzeit bereiten Berufsmannes (Zita Küng redet von der Monogamie der Erwerbswelt: «Ein Gott, ein Arbeitgeber».) Diese falschen Bilder lassen sich korrigieren. Nur weniges aus der Fülle der Möglichkeiten: Die Abschaffung des Militärs als einer sehr einflussreicher Sozialisationsinstanz für Männer und symbolischer Träger einer veralteten Konzeption von Männlichkeit könnte sehr nützlich sein. Die Abschaffung des Sendegefässes «Lipstick» ging genau in die falsche Richtung. Öffentliche diskutiert werden könnte und sollte, ob nicht die Wirtschaftsstrukturen immer noch etwas militärisch-männliches an sich haben. Wenn ja wäre zu fragen, wieviel Sinn das eigentlich macht.

 



[1] Beck-Gernsheim, Elisabeth. Das halbierte Leben. Männerwelt Beruf, Frauenwelt Familie. Fischer. Frankfurt a. M. 1980.

[2] Lalive d'Epinay, Christian. Die Schweizer und ihre Arbeit. Von Gewissheiten der Vergangenheit zu Fragen der Zukunft. Verlag der Fachvereine an den schweizerischen Hochschulen und Techniken. Zürich 1991.

[3] Zusammenstellung bei Schipper, Dalia. Elternschaft im Spagat: Neue Elternformen zwischen Anforderungen und Bedürfnissen, Soziothek, Bern 1999, 54–57.

[4] Merz, Michaela. Lohnt es sich für Schweizer Frauen, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen?: Auswirkungen institutioneller Rahmenbedingungen auf die Entscheidung zwischen Familie und Beruf. Seismo. Zürich 1996.

[5] Herzog, Walter; Bäni, Edi; Guldimann, Joana. Partnerschaft und Elternschaft: Die Modernisierung der Familie. Haupt. Bern 1997.

[6] Sieverding, M. Psychologische Barrieren in der beruflichen Entwicklung von Frauen; Das Beispiel von Medizinerinnen. Enke. Stuttgart 1990.

[7] Hungerbühler, Ruth. unsichtbar – unschätzbar, Haus- und Familienarbeit am Beispiel der Schweiz. Basler Dissertation. Verlag Ruegger. Grüsch 1988. Seite 142.

[8] Die Förderung der Einseitigkeit: Karrierewünsche und Karrierehindernisse von Schweizer Ärztinnen und Ärzten. Huber. Bern 1996.

[9] Lerner, Harriet Goldhor. Wohin mit meiner Wut? Neue Beziehungsmuster für Frauen. Fischer. Frankfurt a. M. 1993. Seiten 126ff.

[10] Bürgisser, Margret. Modell Halbe–Halbe: Partnerschaftliche Arbeitsteilung in Familie und Beruf. Werd. Zürich 1996, Seite 186

[11] Oubaid, Monika; Meier, Marion. Frauenleben als Hausarbeit und Hausarbeit als Frauenleben – Hausarbeitsbiographien. In: Gisela Erler; Monika Jäckel (Hg.innen). Weibliche Ökonomie: Ansätze, Analysen und Forderungen zur Überwindung der patriarchalischen Ökonomie. Seite 60. DJI Verlag München 1989.

[12] Vgl. Born, Claudia; Krüger, Helga (Hg.innen). Erwerbsverläufe von Ehepartnern und die Modernisierung weiblicher Lebensläufe. Deutscher Studien Verlag. Weinheim 1993.

 

 

 

Gender Plattform II, Universität St. Gallen, 14. November 20001

 

Männer im Gleichstellungsprozess:

Chancen im Feld von Kooperation und Konkurrenz

 

Referat

 

1.          Begrüssung

Diego Hättenschwiler

 

Zur Vorstellung des Interdisziplinären Arbeitskreises für Männer- und Geschlechterforschung, abgekürzt iamug: Wir sind zur Zeit fünf Männer aus verschiedenen Wissenschafts- und Berufsfeldern.

Der Ansatz der kritischen Männerforschung interessiert sich für die kritische Reflexion von Männlichkeit und männlichen Lebenszusammenhängen vor dem Hintergrund der bestehenden Geschlechterverhältnisse. Der Interdisziplinäre Arbeitskreis Männer- und Geschlechterforschung verfolgt im Rahmen dieses Ansatzes eine emanzipative, auf eine Veränderung dieser Verhältnisse ausgerichtete Stossrichtung. Er widmet sich dem Austausch von Forschungsergebnissen und Projekterfahrungen aus dem Bereich Gender- und Männerforschung und initiiert und begleitet Projekte in diesem Bereich.

Unter www.go.to/iamug finden Sie weitere Informationen, den Text unseres Referates vom vergangenen Mittwoch und wenn alles klappt ab morgen das heutige Referat. Eine Fachbibliografie zum Thema ist im Aufbau.

2.        Einleitende Bemerkungen

Diego Hättenschwiler

Männer im Gleichstellungsprozess: was sollen die Männer überhaupt in dieser Domäne, in der Frauen einen jahrzehntelangen Vorsprung haben?

Zumindest theoretisch ist klar, dass Gleichstellung nicht nur auf ein Geschlecht bezogen werden kann. In der Praxis war der bisherige Gleichstellungsprozess aus verständlichen Gründen vorwiegend auf Frauen ausgerichtet. In letzter Zeit mehren sich aber die Stimmen, welche einen verstärkten Einbezug der Männer fordern. Als Beispiel dafür sei hier eine Empfehlung der Geschäftsprüfungskommission des Nationalrates zuhanden des Eidg. Büros für Gleichstellung zitiert: "Es ist zwar eine Tatsache, dass die Gleichstellungsarbeit bei den Frauen ansetzen muss, da in der Regel die Frauen benachteiligt sind. (...) Die tatsächliche Gleichstellung muss aber weiter gehen. Sie muss darauf ausgerichtet sein, die Männer in den Gleichstellungsprozess einzubinden. (...) Die Kommission würde es begrüssen, wenn das Eidg. Büro für Gleichstellung Triebfeder einer solchen Neuausrichtung und Weiterentwicklung der Gleichstellungsarbeit wird." (Das Eidg. Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann – Eine Wirkungsbeurteilung nach zehnjähriger Tätigkeit, 18.11.1999, S.7; publiziert: www.parlament.ch Rubrik: Veröffentlichungen / Kontrollkommissionen oder direkt: http://www.parlament.ch/D/Veroeffentlichungen/Kommissionsberichte/GPK_Gleichstellung_d.pdf )

 

Unser heutiger Beitrag ist aus der Diskussion der Thematik im IAMUG entstanden. Wir verstehen ihn als Zwischenstand eines Denk- und Entwicklungsprozess. In diesem prozesshaften Verhältnis zur Thematik möchten wir auch im Rahmen der heutigen Veranstaltung bleiben und die Diskussion weiterführen. Wir stellen uns das so vor: Zunächst präsentieren wir die Resultate unserer Diskussion in Form von vier Dilemmata. Anschliessend möchten wir Kleingruppen für die Diskussionen bilden und abschliessend eine kurze Schlussrunde.

Die Dilemmas, die wir gleich vorstellen werden, sind noch definitiv ausformuliert und voneinander nicht trennscharf abgegrenzt. Sie sind ein Versuch dieser neuen Thematik auf die Spur zu kommen.

Und noch eine letzte Vorbemerkung: wir unterscheiden zwischen Männern, welche professionell mit Gleichstellungsfragen zu tun haben, also z.B. mit Gleichstellungsbüros zusammenarbeiten (siehe Folie: "Gleichstellungsmänner", vorgestellt von Christof Arn) einerseits und andererseits den "Durchschnittsmännern" (Männern allgemein, vorgestellt von Diego Hättenschwiler).

 

3.          Dilemmata aus Männersicht

-----------------------------------------------------------------------------------------------------------

Männer im Gleichstellungsprozess (Folie)

 

Aus Sicht des Interdisziplinären Arbeitskreises für Männer- und Geschlechterforschung (iamug) ergeben sich sowohl im Bereich der professionellen Gleichstellungsarbeit, als auch für Männer allgemein verschiedene Dilemmata:

"Gleichstellungsmänner"

Männer allgemein

 

1. Dilemma: Als Alibi-Mann kooperieren oder draussen bleiben?

Bsp. Kurse und Tagungen in Erwachsenenbildung

Bsp. Kindererziehung

 

2. Dilemma: Anpassungsdruck ver-, wider- oder be-stehen?

Bsp. Kongruenzerwartung

Bsp. Softie

 

3. Dilemma: Konkurrenz oder Zurückhaltung?

Bsp. Geld für Gleichstellungsprojekt

Bsp. Wohnungseinrichtung

 

4. Dilemma: eindimensionaler oder pluraler Mann sein?

Bsp. Mann in Gleichstellungs­kommission

Bsp. Kontextabhängige Männlichkeit

-----------------------------------------------------------------------------------------------------------

 

 

3.1.      1. Dilemma: Als Alibi-Mann kooperieren oder draussen bleiben?

3.1.a.           Bsp. Kurse und Tagungen in Erwachsenenbildung

Christof Arn

Auch diese Veranstaltungsreihe hier ist selber eine Zusammenarbeit im Gleichstellungsbereich: Wir wurden frühzeitig angefragt, waren von Anfang an über das Konzept informiert, konnten selber auch dazu Anregungen einbringen. Die Titel und Inhalte der von uns bestrittenen Stunden wurden sorgfältig abgestimmt. Nicht ganz selten ist beinahe das Gegenteil der Fall. In letzter Zeit häufen sich generell Anfragen in letzter Minute. Veranstalterinnen von Kursen und Tagungen zur Gleichstellung scheinen quasi in letzter Minute zu merken, dass ihnen eine männliche Beteiligung vorne fehlt, wo sie sie doch hinten wünschen. Bei diesen Veranstaltungen sind die Konzepte jeweils bereits fix und fertig, oft die Programme schon gedruckt, manchmal sogar die Budgets ausgeschöpft, so dass das Honorar zum Problem wird. Vorbereitungszeit steht kaum mehr zur Verfügung, dafür kann es vorkommen, dass fixe Erwartungen bestehen, welche Literatur zur Vorbereitung des Referates zu verwenden sind.

Einleuchtenderweise ist dem Mann, der nun plötzlich her muss, zumeist nicht ganz wohl in der Haut, denn in das Konzept konnte die Männerperspektive nicht eingebracht werden. Wenn also Präsenz gewünscht ist, aber nicht Mitsprache, scheint sich die eigene Position am besten als Alibifunktion verstehen zu lassen. Aber ist nicht mitmachen besser? Das ist hier das Dilemma. Umgekehrt man kann es diesen Frauen nicht immer verübeln, dass der Gedanke an die Männer spät kommt. Denn die Kanäle und Arten der Zusammenarbeit müssen sich noch einspielen. Wieder andererseits: Kann man überhaupt sinnvoll mitmachen bei einer Veranstaltung, zu dessen Konzept man in Hinsicht auf die Männer nicht stehen kann?

(Am Rande: In diesem Zusammenhang ist gelegentlich von Frauenseite auch zu hören, es sei kein &laqu;geeigneter» Mann zu finden gewesen. Das macht einen leicht ironischen Eindruck, weil diese Art von Aussagen sehr wohl bekannt ist, nur umgekehrt.)

 

3.1.b.          Bsp. Kindererziehung

Diego Hättenschwiler

Entgegen der Idealvorstellung vieler Frauen und Männer gilt immer noch die traditionelle Rollenteilung als vorherschende Praxis: Mütter sind für Kinder zuständig, die Väter sind berufstätig und nur wenig zu Hause.

Die strukturellen Gründe, weshalb die traditionelle Rollenteilung sich sehr häufig einspielt, sind vielfach diskutiert worden. Ein paar Stichworte: Männer verdienen mehr als Frauen; Teilzeitstellen für Männer sind viel seltener; Männer werden oft schief angeschaut, wenn sie Teilzeit arbeiten. Es soll hier nicht um die guten Ansätze zur Veränderung dieser unerfreulichen Situation gehen, sondern um die Beschreibung des Ist-Zustandes.

Wenn also die Männer meist 100 und leider oft sogar mehr als 100% erwerbstätig sind, wie soll da die Erziehungsarbeit und –verantwortung noch sinnvoll geteilt werden?

Ein naheliegender Ausweg: die Väter bleiben draussen und betätigen sich einzig noch als "Sonntagsväter", die mit den Kindern spielen und Ausflüge machen.

Der andere Weg - sich trotz knapper Zeit für die Kinder zu engagieren - ist viel anspruchsvoller und kann zu Konflikten mit der "Familienmanagerin" führen.

Soll der Vater in der kurzen Zeit, die er mit den Kindern verbringt einen eigenen Erziehungsstil pflegen? Dabei lauern Gefahren: entweder tritt er sehr streng, hart, klischiert männlich auf – oder dann lebt er das Gegenteil indem er den Kindern immer entgegenkommt.

 

Ein konkretes Beispiel einer Aktion, welche die Durchschnittsmänner ansprechen will: der Tochtertag. Die gute Idee ist, dass Väter ihre Töchter einen Tag an ihren Arbeitsplatz mitnehmen. Der dieses Jahr in der Schweiz erstmals in grossem Stil propagierte Tag wurde unseres Wissens ohne Einbezug von Männern geplant. Auch wenn es primär um die Töchter geht, müssten doch die Väter als ein zentrales Zielpublikum dieser Aktion erreicht werden. Die Internetadresse lautet denn: www.vaeter.ch .

Wenn nun Väter ihre Tochter an die Arbeit mitnehmen, könnte dies für einige schon als grosse Tat für die Gleichstellung empfunden werden, quasi eine Alibi-Tat ohne weitere Veränderungen. Nicht dass ich missverstanden werde: ich finde den Tochtertag eine gute Sache. Über die Art und Weise, wie die Väter erreicht werden können, müsste noch einmal nachgedacht werden.

 

3.2.      2. Dilemma: Anpassungsdruck ver-, wider- oder be-stehen?

 

3.2.a.           Bsp. Kongruenzerwartung

 

Christof Arn

Männer, die als Professionelle im Gleichstellungsprozess mitarbeiten, haben sich oft intensiv mit feministischer Theorie, Frauen- und Geschlechterforschung und schliesslich mit Männerforschung befasst. Sie haben eine Vorstellung davon, wie das Geschlechterverhältnis heute aussieht und vor allem auch davon, wie es aussehen sollte und wie sie selber es leben wollen. Diskriminierungen aller Beteiligten in jeglicher Art und Weise werden ausgeschlossen. Darin und in vielem anderen stimmen sie in mit der feministischen Theorie – die ja auch nicht einheitlich ist, sondern verschiedene Strömungen beinhaltet – überein. Das ist aber die Theorie.

Selbstverständlich haben diese Männer auch intensivste persönliche Prozesse durchlebt. Pero: Nobody is perfect. Einen fertig emanzipierten Mann gibt es nicht, es gibt nur den Mann im Emanzipationsprozess. Nun gilt aber in manchen Gleichstellungskreisen bzw. in manchen Situationen die tollerance zéro nicht nur für Gewalt, sondern für jeden faux pas. Es kann eine angespannte Atmosphäre entstehen, die quasi darauf wartet, dass der anwesende Mann eine Frau nicht ausreden lässt, eine Äusserung macht, die anzüglich verstanden werden kann, eine aus feministischer Sicht inhaltlich angreifbare Position vertritt oder ähnlich. Psychologisch würde ich die Situation so interpretieren, dass jetzt Verletztheiten auf beiden Seiten aktualisiert, aber nicht ansprechbar sind. Jedenfalls kann mann es nur noch falsch machen. Praetorius analysierte bereits, dass Männer in Gegenwart von richtig echten Feministinnen eigentlich nur Fehler machen können: «Entweder sie sind macho oder softi oder langweilig» (http://www.antjeschrupp.de/flugschrift/maennl_imaginaeres.htm). Andererseits: Sind die Ansprüche, Redezeiten gerecht zu verteilen etc. nicht auch einfach legitim?

Nicht gerade einfacher wird die Sache dann, wenn Männer zunächst – aus welchen Gründen auch immer – zur Mitarbeit in Gleichstellungsarbeiten eingeladen werden, aber von der Dynamik der Gruppe dann doch marginalisiert werden.

Noch komplizierter wird das ganze darum, weil Emanzipation des Mannes zwar primär seine Emanzipation aus vorgegebenen Rollen, Positionen, Zuschreibungen und Sprachverwendung ist, was sich dann für den Mann aber nicht immer als 100%ig kongruent mit dem Typ feministischer Theorie und Sprache erweist, in deren Kreis er sich mit der Zusammenarbeit begibt. Was machen, wenn ich feststellen muss, dass ich an einem bestimmten Punkt einer bestimmten, in der Situation gerade dominanten feministischen Moral nicht folgen will? Ich sehe hier allerdings Öffnungen und Chancen, die mit der Pluralisierung der feministischen Positionen zusammenhängen.

 

3.2.b.          Bsp. Softie

Diego Hättenschwiler

 

Viele Männer sind heute in ihrer Männlichkeitsvorstellung generell verunsichert. Frauen haben in jahrzehntelangem Ringen ein positives Frauenbild entwickelt, in dem Mutterschaft und berufliche Verwirklichung gleichzeitig Platz haben.

Männer sind noch längstens nicht so weit. Voran sollen sie sich orientieren? Es haben sich verschiedene Typen von männlichen Leitbildern entwickelt, die aber alle nicht überzeugen können.

è    Folie mit Typologie männlicher Leitbilder (aus: Widersprüche, H.67, März 1998, S.69).
Typen aufgrund deutscher Ratgeberliteratur für Männer: Maskulinist/Macho, Profeminist/Softie, Mythopoet/wilder Mann, Christ/gläubiger Mann.

 

Hier zeigt sich ein zusätzliches Dilemma im Bereich der Sprache: sollen Begriffe übernommen oder neue entwickelt werden? Ein Softie wird von niemandem anerkannt, während Profeminist vielleicht bei Feministinnen gut tönt. Aber kann ein Mann überhaupt ein Feminist sein? Oder das Wort Emanzipation: können sich auch Männer emanzipieren?

Weil Frauen sich schon viel länger und aktiver für den Gleichstellungsprozess engagieren, haben sie logischerweise auch die Begrifflichkeiten geprägt.

Auf Männerseite ist noch sehr wenig geschehen. Ausser dem nicht sehr klaren Ausdruck der Neuen Männer fällt mir nichts ein.

Zusammengefasst: In wie weit sollen Männer den feministischen Forderungen entgegenkommen oder wo sollen sie eigene Orientierungen entwickeln?

 

 

3.3.      3. Dilemma: Konkurrenz oder Zurückhaltung?

 

3.3.a.           Bsp. Geld für Gleichstellungsprojekt

 

Christof Arn

So gut wie jedes Männerforschungsprojekt konkurrenziert die Finanzierung von Frauenforschung. Jede Anstellung eines Mannes im Gleichstellungsbereich bedeutet auch die Nichtanstellung einer Frau. Jede Aufmerksamkeit, die ein Männerprojekt auf sich zieht, steht für Frauenprojekte nicht mehr zur Verfügung. Gibt es da angesichts der Tatsache, dass Frauenthemen in der Forschung bereits ausreichend benachteiligt sind, das Frauen in der Erwerbswelt diskriminiert sind und die Medien Frauen herabmindern für Männer, die sich gerade dessen – noch dazu professionell – bewusst sind, für solche emanzipatorische Aktivität von Männerseite überhaupt eine Legitimation? Andererseits: Wieviel Gleichstellung der Frau ist ohne Emanzipation des Mannes überhaupt möglich? Und: Ist die Emanzipation des Mannes aus seinen Zwängen und die Förderung dieser Prozesse nicht auch – analog der Emanzipation der Frau – so etwas wie ein Menschenrecht?

 

3.3.b.          Bsp. Wohnungseinrichtung

Diego Hättenschwiler

 

Dieses Beispiel mag unscheinbar sein, es ist aber symptomatisch.

Wissen Sie, wer bei Mehrpersonenhaushalten den Stil der Wohnungseinrichtung bestimmt? Es ist sehr häufig die Frau – und die Männer merken dies nicht einmal!

Ist es besser, dass die Männer diesen Bereich den Frauen überlassen oder soll eine Verständigung der Geschmäcker gesucht werden? Oder lebt sich der Mann bei der Wahl des Autos genügend aus?

 

In der langen Tradition des Hauses als Frauenbereich sind verschiedene Elemente erhalten geblieben. Neben dem Kochen will ich noch die private Beziehungspflege erwähnen. Frauen bestimmen oftmals, wer nach Hause eingeladen wird.

Männer sind oftmals froh, wenn ihre Partnerin diese Beziehungsarbeit abnimmt. Die Kehrseite ist, dass Männer häufig keinen guten Freund haben. Am Arbeitsplatz, in der Beiz oder im Sportverein haben sie zwar häufig Kollegen oder keine engen Freunde mit denen sie Persönliches besprechen können.

Zurück zum Dilemma: sollen sich Männer in traditionellen Frauendomänen ebenfalls zu Wort melden oder ist es eventuell dafür noch zu früh?

Im politischen Bereich haben sich noch kaum je Männer besonders aktiv für Gleichstellungsanliegen eingesetzt. Immerhin wurde vor nicht allzulanger Zeit die Forderung nach einem Vaterschaftsurlaub von einem Mann, Nationalrat Erwin Jutzet eingereich und bald darauf abgelehnt (Text: http://www.parlament.ch/afs/data/d/gesch/1998/d%5Fgesch%5F19983043.htm ).

Vielleicht interessiert es Sie, hier als kurzen Exkurs den neuesten Stand in Sachen Gender-Mainstreaming zu erfahren: eine Parlamentarische Initiative von Nationalrätin Franziska Teuscher (Text: http://www.parlament.ch/afs/data/d/gesch/2000/d%5Fgesch%5F20000466.htm ), welche ein neues Gesetz zur Verankerung des Gender-Mainstreaming verlangt, wurde vorgestern von der zuständigen Nationalratskommission zur Ablehnung empfohlen. Das Anliegen an sich, sei in der Kommission nicht bestritten gewesen, es brauche dafür hingegen kein neues Gesetz.

 

3.4.      4. Dilemma: eindimensionaler oder pluraler Mann sein?

 

3.4.a.           Bsp. Mann in Gleichstellungskommission

 

Christof Arn

Nun kann es auch sein, dass die Dynamik in einer gemischtgeschlechtlichen, im Gleichstellungsbereich engagierten Gruppe (meist, wenn auch nicht immer, heisst gemischtgeschlechtlich hier «einige/viele Frauen und ein Mann») positiv entwickelt. Nicht ganz selten entsteht eine sehr positive Atmosphäre. Es ergibt sich unter Umständen gerade in dieser Zusammenarbeit ein Raum, in dem sehr viel mehr Emanzipation sowohl für Frauen als auch für Männer möglich ist, als überall sonst. Ein Hochgefühl kann sich einstellen, ein Stück Paradies wird Wirklichkeit.

Endlich kein Dilemma mehr? Weit gefehlt, eine solche Paradiesexklave ist selber ein Dilemma. Es wird spürbar, dass für die Beteiligten hier Interaktionen besser laufen als Zuhause mit Ihren Partnerinnen und Partnern, besser laufen als in anderen Projekten, besser als an bisher für in Ordnung befundenen Arbeitsplätzen oder besser als in lange gelebten Freundeskreisen. Was wird das bedeuten? Es lässt sich abschätzen, dass da und dort Beteiligte, wieder in ihre angestammten Kontexte zurückkehren, ohne sich bewusst zu sein, dass diese besonderen positiven Erfahrungen dort nur in sorgfältig transferierter Form eingebracht werden können. In solchen speziellen Gruppen entdeckte positive «Muster» nichtdiskriminierenden Umganges miteinander können nicht einfach so mit Partnerinnen und Partnern, Freunden und Bekannten, Chefs oder Angestellten gelebt werden. Und zumeist ist dieses Faktum auch kein guter Grund dafür, mit diesen jetzt einen Streit vom Zaun zu reissen oder diesen fristlos zu künden.

Mann mag sich also sogar fragen, ob er solchen Fehlentwicklungen nicht zuvorzukommen verpflichtet ist, wenn er sie ahnt. Soll er vielleicht etwas unsympathischer auftreten, um Irrtümer zu vermeiden? Das Dilemma lässt sich in der Frage formulieren, wie viel Harmonie überhaupt sinnvoll sei.

Als mögliche These möchte ich hier vorsichtig formulieren, ob dieses Dilemma damit zusammenhängen könnte, dass feministisches Denken den Traumprinzen weniger abgeschafft zu haben scheint, als dass es ihm ein anderes Gewand geben will. Ich könnte mir das so vorstellen, dass nicht mehr der starke Beschützer vor Drachen, sondern der einfühlsame Wahrnehmer, der Mann als Retter aus dem beziehungslosen Menschmarkt gefragt ist. Mann mag sich freuen, dass feministische Utopie nicht alles romantische Glück zu streichen bereit ist. Auf der anderen Seite des Dilemmas steht aber das sichere Gefühl, dass es realistisch und für alle Beteiligten stressvermindernd wäre, dennoch mit einer Pluralität von realen Männern zu rechnen: Lieber gemeinsam mit den zahlreichen Vor- und Nachteilen leibhaftiger, auch situativ unterschiedlicher Männlichkeiten leben können, als das schöne, neue Ideal der Prinzen in überfordernder Art und Weise anzuwenden.

 

3.4.b.          Bsp. Kontextabhängige Männlichkeit

Diego Hättenschwiler

 

Eindeutige Männlichkeit kann nützlich sein: zur klaren Orientierung, für mehr Selbstbewusstsein; für klarere Wahrnehmung durch andere (Männer u. Frauen). Aber eben: sie ist einseitig. Sie reduziert den Menschen in Selbst- und Aussenwahrnehmung, auch wenn er eigentlich gar nicht eindimensional ist.

 

Plurale oder kontextabhängige Männlichkeit: ist flexibler, je nach Situation verschieden. Aber: mann/frau weiss nicht so klar woran man ist.

 

Im alten patriarchalen Muster des Bürgertums war klar wie eine Frau und wie ein Mann zu sein hatte. Wenn sich die starren Rollenklischees langsam aufzulösen beginnen, so besteht die Gefahr, dass neue eindeutige Geschlechterrollen gesucht werden.

 

 

Meine Schlussfolgerung zu den Dilemmas: es gibt eine Art verkehrte Welt. Viele Aspekte, die aus Frauensicht bekannt sind, tauchen sozusagen mit umgekehrten Vorzeichen auf, z.B. der Klassiker: "wir haben keine Frau gefunden", neu als: "wir haben keinen Mann gefunden"!

 

4.          Diskussion

Christof Arn

 

Das Schlussdilemma ist das einzige, das wir hier pragmatisch sofort lösen wollen: Es wäre ein Dilemma, am Anfang zu sagen, dass es ein Dilemma ist, als Mann in fertige Gleichstellungskonzepte eingebunden zu werden, aber hier nur aus Männerperspektive Ihnen als v.a. Frauen ein fertiges Konzept zur Zusammenarbeit von Frauen und Männern vorzulegen, in das sie sich nur noch einfügen müssen. Wir schlagen also vor, den Prozess gemeinsam weiterzubringen und zwar durch Diskussion in Kleingruppen über folgende drei Fragen:

a) Welche Dilemmas bestehen für Frauen in Sachen Zusammenarbeit mit Männern im Gleichstellungsprozess?

b) Was ist wichtig/problemlösend in Sachen Zusammenarbeit mit Männern in Gleichstellungsaktivitäten?

c) Was ist wichtig/problemlösend in Sachen Kooperation mit Männern im allgemeinen Gleichstellungsprozess?

 

 

Die Diskussion wurde im Plenum durchgeführt, weil sie bereits während dem Referat begann und weil die Anzahl der Personen das gut erlaubte.

Von zwei anwesenden Männern beanspruchte einer etwa die Hälfte der Redezeit aller ZuhörerInnen und ging frontal gegen das gehaltene Referat vor. Er verfocht u.a. die These, das Referat würde von deskriptiven auf normative Aussagen schliessen und biologistisch argumentieren, also nicht erkennen, dass das sozialisierte Geschlecht (gender) Thema ist und nicht das biologische (sex). Den Referierenden wurde der Kritikpunkt nicht wirklich klar. Die Dissertation von Christof Arn enthält eine Auseinandersetzung mit dem naturalistischen Fehlschluss (Schluss von deskriptiven auf normative Aussagen) ebenso wie eine Auseinandersetzung mit den aktuellen Geschlechtertheorien. Diese Theorien sind übrigens über die sex-gender-Unterscheidung bereits hinausentwickelt. Wahrscheinlich ist überhaupt die Einteilung der Menschen in zwei Gruppen als soziale Konstruktion zu verstehen und nicht erst die sozialen Konnotationen mit dem biologischen Geschlecht, wie das im Rahmen der Gendertheorien gedacht wird.

Soweit eine Diskussion mit den anwesenden Frauen sich entwickeln konnte, wurde erkenntlich, dass die Vorstellung neu ist, dass Männer den Gleichstellungsprozess mitgestalten könnten. Deswegen kommt die Frage, wie das geschehen könnte, die Frage also, die dem Referat zugrunde liegt, gewissermassen zu früh. Für die Anwesenden stellt sich zunächst die Frage, was das überhaupt heissen könnte und inwieweit es wünschbar wäre. Eine Frau votierte, dass das erste, was diese Vorstellung bei den Frauen auslösen würde, Angst sei.

Insgesamt zeichnete sich in der Runde jedoch zunehmend ein Wohlwollen für Schritte in diese Richtung ab und eine interessierte Nachdenklichkeit. Im Schlussvotum brachte eine Frau dies so auf den Punkt (Zitat aus der Erinnerung): "Die Männer müssen Partner werden im Gleichstellungsprozess."




Schlussbemerkung

 

Die Veranstaltung war für uns interessant. Wir würden ein nächstes Mal anders einsteigen, um zu zeigen, warum uns ein mmitgestaltender Einbezug der Männer in den Gleichstellungsprozess sinnvoll erscheint. Dies könnte z.B. mit folgenden Thesen geschehen:

 

a)       Es gibt keine tiefergehende Gleichstellung ohne tiefergehende Veränderung des Mannes – genauer gesagt: ohne tiefergehende Veränderung der Normen männlicher Identitäten.

b)       Es ist i) von der Legitimität her und ii) von der Wirksamkeit her fragwürdig, einen solchen Veränderungsprozess ohne aktive Mitgestaltung der Männer selber in Angriff zu nehmen.

c)       Es gibt auch Gründe für Männer, die Umgestaltung der Geschlechterverhältnisse selber zu wollen. Es gibt Männer, die von sich aus beginnen, Geschlechterverhältnisse im eigenen Umfeld umzugestalten und es gibt Männer, die solche eigene Zielsetzungen in den politisch-kulturellen, d.h. strukturellen Gleichstellungsprozess einbringen.

Daraus ergibt sich Notwendigkeit und Chance einer gemeinsamen Gestaltung des Gleichstellungsprozesses.

 

Auf dem Hintergrund einer Diskussion über diese Thesen liesse sich wohl besser gemeinsam die Möglichkeiten der Gestaltung eines integralen Gleichstellungsprozesses – wie ihn die aktuelle Form der Gleichstellungsarbeit im Begriff des Gender-Mainstreaming anstrebt – thematisieren.

Wir halten diese Entwicklungen und Fragen für spannend. Der integrale Gleichstellungsprozess wird kommen – welcher sonst?

[home] [Geschichte und Arbeitsweise] [Texte] [Mitglieder] [Literatur] [Links]